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Ulm News, 05.12.2018 18:24

5. Dezember 2018 von Ralf Grimminger
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Hilde Mattheis (SPD) arbeitet an weiterem Vorschlag zur Organspende


Zusammen mit Dr. Markus Krautter, Leitender Oberarzt am Transplantationszentrum des Katharinenhospitals in Stuttgart, hat die SPD-Gesundheitspolitikerin, Hilde Mattheis am Dienstagabend ins Casa Café nach Ulm zum Infoabend Organspende geladen. Die Experten stellten sich dabei technischen und ethischen Fragen der Gäste zur Organentnahme und diskutierten mit ihnen lebhaft welche Vor- und Nachteile die vom Bundesgesundheitsminister angestrebte Widerspruchslösung beinhaltet. Im Verlauf des Abends erklärte Hilde Mattheis, dass sie gerade mit weiteren Gesundheitspolitikern und Medizinexperten in Berlin einen dritten Vorschlag erarbeite. 

Hilde Mattheis begann mit der Einführung in die Thematik und erläuterte den Zuhörern, dass es ihr besonders wichtig sei die Bürger über eine mögliche Änderung in der Gesetzeslage so früh wie möglich aufzuklären. „Nach dem Jahreswechsel wird das Thema Organspende in den Medien und in aller Munde sein, Deshalb mache ich schon jetzt meine Infoabende“, so Hilde Mattheis. Danach erläuterte sie die Fakten. Aktuell befürworten rund 80 Prozent der Deutschen die Organspende, aber nur ein geringer Prozentsatz hat selbst einen Organspendeausweis.
Der neue Gesetzentwurf sieht vor, dass jeder, der nicht ausdrücklich bekundet nicht spenden zu wollen automatisch Spender wird. Zusätzlich sollen Krankenhäuser und Ärzte, die Organentnahmen durchführen finanziell gestärkt werden. Abschließend soll das System deutlich verbessert werden und ein flächendeckendes Netz von Organspendeverantwortlichen zu schaffen. Hilde Mattheis hat sich jüngst mit Gesundheitspolitikern verschiedener europäischer Länder getroffen, darunter Spanien, Dänemark oder Bulgarien, welche die Widerspruchslösung praktizieren. „Diese Länder, die eine Widerspruchslösung haben, haben prozentual deutlich weniger Organspender. Allerdings praktizieren sie die Widerspruchslösung auch nicht konsequent, weil sie eine gesellschaftliche Debatte scheuen“, erklärt Hilde Mattheis. Oft höre man Argumente wie: Der Staat macht den Menschen zu einem Ersatzteillager oder ähnliches.
Dr. Markus Krautter sieht diesen Punkt anders: „Wenn man sich die Liste mit den höchsten Spenderzahlen anschaut, sind neun davon mit Widerspruchslösung. Wenn ein Land sagt, zu Spenden ist normal, dann ist das einen bessere psychologische Hinführung zu dem Thema.“

Unangenehmes Thema und wenig Information

Das grundlegende Problem beim Thema Organspende sieht der Stuttgarter Transplantationsexperte darin, dass sich der Menschen nun einmal ungern mit seinem eigenen Tod auseinandersetzt. Hinzu käme, dass es keine großen Informationskampagnen, wie beispielsweise beim Impfpass, gebe. „Ich versuche aufzuklären und wenn man nur im Organspendeausweis ankreuzt, dass man keine Organe spenden möchte, ist schon viel gewonnen“, sagt Krautter. Keine Äußerung sorge nämlich dafür, dass Angehörigen im Fall der Fälle eine schwere Last aufgebürdet würde.
„Für einen Arzt ist es dann nicht weniger schwierig, wenn er der im selben Atemzug, in dem er die Todesnachricht überbringen muss, noch fragen soll: Wie steht’s denn mit einer Organspende.“ Ferner seien in Fällen, in denen keine Angehörigen vorhanden sind die Organe generell verloren, selbst wenn jemand hätte Spenden wollen und nur seinen Ausweis nicht dabei hätte. Viele der Gäste schalteten sich in die sich entwickelnde Diskussion ein stellten Fragen, argumentierten oder führten Beispiele aus der eigenen Erfahrung an. So äußerte ein Besucher die Frage: „Lohnt sich eine Transplantation rein rechnerisch für die Gesellschaft und den Menschen?“
Krautter antwortete, dass man nicht pauschal sagen könne wie viel Lebenszeit ein Patient gewinne, jedoch würden die Ergebnisse generell gesprochen immer besser. Krautter berichtet aus eigener Erfahrung von Halbwertszeiten der transplantierten Organe von zwölf bis 15 Jahren. Allerdings habe er auch schon Fälle begleitet, die ihr Spenderorgan mittlerweile 30 Jahre im Körper haben und diese noch immer tadellos funktioniere. Natürlich sei es eine gesellschaftliche Diskussion was ein Lebensjahr kosten kann. Finanziell sei das bei einer Nierentransplantation jedoch gut darstellbar. „Da rechnet man die Dialysekosten, Medikamente vor und nach der Operation und vieles mehr gegen und nüchtern betrachtet lohnt es sich dann sogar für die Krankenkasse.“

Hilde Mattheis plant alternativen Vorschlag

Eine Frau wollte wissen, ob sich das neue Gesetz überhaupt mit dem Grundgesetz vereinbaren lasse. Darauf antwortete Hilde Mattheis, dass dies einer der großen Kritikpunkte sei, die sie bei der vorgeschlagenen Neuregelung sehe. "In Deutschland habe ich das Recht, etwas nicht zu wissen. Ich kann zwar jemanden verpflichteten zu eine Beratung zu gehen, ob er die dann annimmt oder versteht, steht auf einem anderen Blatt. Nicht jeder kann mit einer Information gleichermaßen etwas anfangen und schiebt die Entscheidung möglicherweise dann wieder von sich weg."
Deswegen erarbeite sie gerade mit weiteren Gesundheitspolitikern und Medizinexperten in Berlin eine dritte Alternative, welche die Probleme der aktuellen Gesetzgebung beheben soll und die streitbaren Punkte der Widerspruchslösung besser regelt. Auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sei als Kampagnenträger mit im Boot. „Es soll eine erweiterte Zustimmungslösung werden, die das Beste aus beiden Vorschlägen in sich vereint und weitere ungeklärte Fragen beantwortet“, berichtet Hilde Mattheis am Rand des Infoabends. Eine dieser Fragen sei beispielsweise ganz lapidar, wo schlussendlich vermerkt werde, ob jemand seine Spendenbereitschaft erklärt habe. Von einer generellen Datenbank bis hin zum Personalausweis und Führerschein oder der Krankenversichertenkarte sei vieles denkbar, aber manchmal mit dem Datenschutz nicht vereinbar. Viele weitere Fragen wie beispielsweise: Ob man Schmerz bei der Entnahme verspüre und ab wann ein Patient gesetzlich als tot gilt folgten. Aber auch was genau ein Transplantationsbeauftragter macht oder wie das Stimmungsbild der Regierung zu dem Thema aktuell in Berlin aussehe. So neigte sich die Gesprächsrunde nur langsam ihrem Ende zu. Abschließend sagte Hilde Mattheis, die selbst einen Organspendeausweis besitzt: „Der wichtigste Punkt in Sachen Organspende ist zumindest in allen drei Entwürfen enthalten. Nämlich, dass man als Empfänger nicht ausgeschlossen wird, auch wenn man sich selbst entschieden hat die eigenen Organe nicht zu spenden.“



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