ulm-news.de

Spartkasse Ulm
Sie sind hier: ulm-news Startseite  Nachrichten

Ulm News, 05.12.2018 15:58

5. Dezember 2018 von Ralf Grimminger
0 Kommentare

Unkonventionelle Behandlung zeigt erste Erfolge bei aggressiven Hirntumoren


Einen wichtigen Fortschritt in der Erforschung und Behandlung von aggressiven Hirntumoren hat ein Team um Professor Marc-Eric Halatsch (Klinik für Neurochirurgie) am Universitätsklinikum Ulm erzielt: Unter der Therapie mit einer erstmalig eingesetzten Kombination von neun Medikamenten (darunter Antibiotika sowie Wirkstoffe gegen HIV und Bluthochdruck) stoppte das Tumorwachstum bei der Hälfte der behandelten Studienteilnehmer*innen – im Falle des ersten in die Studie eingeschlossenen Patienten für nunmehr 23 Monate. 

Die vielversprechende Zwischenauswertung der „Proof-of-Concept“- Studie wurde Mitte November bei der Jahrestagung der amerikanischen Gesellschaft für Neuroonkologie in New Orleans (USA) vorgestellt. Glioblastome gehören zu den häufigsten im Erwachsenenalter auftretenden Tumoren des Gehirns. Sie wachsen meist innerhalb weniger Monate deutlich und sind äußerst aggressiv.
Das heißt, die üblichen Therapieoptionen wie die chirurgische Entfernung des Tumors, Bestrahlung und Chemotherapie sind selten nachhaltig erfolgreich; meist tritt der Tumor erneut auf (Rezidivbildung). „Obwohl neurochirurgische Operationsmethoden und die begleitenden Therapien in den vergangenen Jahren stetig verbessert wurden, können wir mit der Prognose von Patienten mit Glioblastom nach wie vor nicht zufrieden sein“, erläutert Professor Marc-Eric Halatsch, Leitender Oberarzt der Klinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Ulm. Dies wird hoffentlich der neue Therapieansatz ändern, für den die klinische Studie im Oktober vorläufig ausgewertet wurde. „Die bisherigen Ergebnisse sind ermutigend“, berichtet Studienleiter Halatsch. „Die Patienten vertragen die eingesetzten Medikamente in einer Weise, wie wir sie aus anderen Zweit- und Drittlinientherapien kennen“.
Zweit- und Drittlinientherapien können auf eine erste Therapie folgen, wenn der Tumor auf diese nicht mehr anspricht. Von November 2016 bis dato wurde bzw. wird insgesamt zehn Glioblastom- Patient*innen eine Wirkstoffkombination von neun Medikamenten namens CUSP9v3 (Coordinated Undermining of Survival Paths by 9 Repurposed Drugs, Version 3) verabreicht, wobei die zuletzt eingeschlossene Studienteilnehmerin erst seit 6 Monaten behandelt wird; der Tumor ist bei ihr in diesem Zeitraum nicht erneut aufgetreten.
Zusätzlich zu den neun Studienmedikamenten erhielten bzw. erhalten die Studienteilnehmer*innen noch eine niedrig dosierte Chemotherapie. Alle Patient*innen hatten vor Teilnahme an der Studie bereits eine Standardtherapie inklusive Operation und Bestrahlung hinter sich gebracht, bevor der Tumor erneut aufgetreten war. Können die positiven ersten Ergebnisse im Verlauf der nächsten sechs Monate bestätigt werden, ist eine größere klinische Folgestudie geplant. Für die aktuelle Studie werden keine neuen Teilnehmer*innen gesucht.
Auf die unkonventionelle Idee, mehrere Wirkstoffe kombiniert einzusetzen, kam Professor Halatsch im Jahr 2013 gemeinsam mit dem amerikanischen Psychiater Dr. Richard Kast. Die Mediziner fragten sich, ob ein einzelner Wirkstoff möglicherweise zu wenig sei, um die aggressive Tumorart zu bekämpfen. Sie begannen daraufhin, nach Wirkstoffen zu suchen, die die Mechanismen stören, die für das Tumorwachstum verantwortlich sind. Bei ihrer Recherche prüften die Forscher vor allem auch in der Praxis bewährte, nebenwirkungsarme Wirkstoffe, die normalerweise zur Behandlung anderer Erkrankungen zur Anwendung kommen, zum Beispiel bei Pilzerkrankungen, HIV- Infektionen oder Bluthochdruck.
Letztlich konnten Halatsch und Kast neun geeignete Präparate identifizieren, darunter auch Wirkstoffe, die bei Alkoholabhängigkeit, chronisch-entzündlichen Gelenkerkrankungen, Depressionen oder zur Linderung von Übelkeit infolge einer Chemotherapie eingesetzt werden. Gefördert wird die Studie von der belgischen Stiftung Anticancer Fund. „Wir sind uns bewusst, dass die Therapie mit einer Kombination von neun Präparaten in Verbindung mit einer Standardbehandlung äußerst ungewöhnlich ist“, begründet der Ärztliche Direktor des Anticancer Fund , Dr. Guy Buyens, die finanzielle und wissenschaftliche Unterstützung.
„Wir sind jedoch fest davon überzeugt, dass das Verwenden von Wirkstoffen zu einem anderen als ihrem ursprünglichen Zweck (Drug Repurposing) ebenso wie kombinierte Therapien hohes Potenzial haben.“ „`Drug Repurposing` ist ein wertvoller Ansatz, um die Krebsforschung zu beschleunigen“, ergänzt die Geschäftsführerin der Stiftung, Dr. Lydie Meheus. „Bei bereits etablierten, zugelassenen Medikamenten wissen wir, wie sicher sie sind, außerdem sind sie leicht verfügbar und kostengünstig.“



Grüne

Termine & Kino

weitere Termine
Spartkasse Ulm
Apr 11

Tote Frau auf der Autobahn
Wegen einer unbekannten toten Frau ist am Donnerstag die A 7 zwischen Heidenheim und Herbrechtingen für...weiterlesen


Apr 20

Mindestens 40 000 Euro Schaden nach Karambolage bei Hochzeitskorso mit 30 Fahrzeugen
Zu einem Auffahrunfall mit mehreren Autos einer Hochzeitsgesellschaft kam es am Freitagabend in Geislingen. weiterlesen


Apr 21

Sechs Verletzte bei Schlägereien in Ulmer Innenstadt
 Sechs Leichtverletzte sind das Ergebnis von zwei Schlägereien in der Nacht von Samstag auf Sonntag in...weiterlesen


Apr 13

Illegales Autorennen in Neu-Ulm gestoppt
In der Nacht auf Samstag fiel einer Streifenbesatzung der Polizeiinspektion Neu-Ulm das laute Aufheulen...weiterlesen


Apr 15

Elinaki, Bootshaus und viele mehr: Bewegung in der Ulmer Gastronomie
In der Gastronomie in Ulm und Neu-Ulm ist derzeit viel in Bewegung. Ausgehen, trinken und essen sind nach...weiterlesen


Apr 20

Eindrucksvoll und berührend: Über 5000 Zuschauer verfolgen den 16. Via Crucis
Wohl deutlich mehr als 5000 Zuschauer - so viele wie noch nie bisher - begleiteten oder verfolgten an...weiterlesen


Apr 14

Betrunkener Fahrer versteckt sich unter Auto
Ein betrunkener Autofahrer hat sich am Samstagabend in Ulm unter einem Auto versteckt.  weiterlesen


Apr 23

Großbrand bei Entsorgungsbetrieb in Ulm - Schaden in Höhe von mindestens 250 000 Euro
Einen Schaden in Höhe von mindestens 250 000 Euro hat ein Großbrand am Dienstagmorgen in einem...weiterlesen



Spartkasse Ulm

 
© ulm-news.de, Nachrichten für Ulm und Umgebung   KONTAKT | FAQ | IMPRESSUM | DATENSCHUTZ nach oben