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Ulm News, 26.01.2018 14:36

26. Januar 2018 von Ralf Grimminger
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Gedenkstunde für die NS-Opfer - Landtagspräsidentin Aras: Gedenken heißt, nach Ursachen von Ausgrenzung zu fragen


Der Landtag von Baden-Württemberg hat am Freitag mit einer zentralen Gedenkfeier im Ulmer Stadthaus an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. „Wir sollten uns im Gedenken immer mit der grundsätzlichen Frage nach den Ursachen von Ausgrenzung auseinandersetzen“, so Landtagspräsidentin Muhterem Aras (Grüne) in ihrer Rede.

 „Wenn wir der Opfer des Nationalsozialismus gedenken, müssen wir uns bewusst machen: Es begann mit Verachtung und Hass, mit einem ‚Wir gegen die‘“. Gedenken sei deshalb „keine Schande“, so die Landtagspräsidentin Muhterem Aras. . „Es wäre eine Schande, sich den Lehren der Geschichte zu verweigern.“ In ihrer Rede griff die Landtagspräsidentin die jüngsten antisemitischen Demonstrationen in Berlin auf, ausgelöst durch die Entscheidung der US-Regierung, ihre Botschaft nach Jerusalem zu verlegen. „Nicht Kritik erschreckt uns, sondern der tiefe Hass gegen Juden.“ 
Angesichts neu aufkeimenden Antisemitismus warnte Aras vor weitreichenden Folgen für die Gesellschaft insgesamt, wenn diese sich nicht dagegen stelle: Heute wende sich die Verachtung gegen Juden, morgen gegen andere Gruppen. Dem Hass auf Juden dürfe nicht der Hass auf Muslime folgen. Einen solchen Automatismus gelte es zwingend zu durchbrechen. „Hass wird niemals satt“, formulierte Aras. Die Botschaft auch an Zuwanderer müsse klar sein: „Ihr seid uns willkommen als Menschen, auch als Glaubende verschiedener Religionen, aber Antisemitismus, Verschwörungsmythen und Gewaltbereitschaft werden wir nicht dulden!“ Wer in Deutschland lebe, dürfe sich vor der Geschichte und Verantwortung des Landes nicht wegducken. Die Verteidigung der im Grundgesetz angelegten Grundwerte wie Respekt und Toleranz sei deshalb zentral. „Indem wir uns gemeinsam gegen Antisemitismus stellen, schützen wir auch die Grundlagen unserer freiheitlichen Gesellschaft“, appellierte Aras an die Teilnehmer der Gedenkstunde wie auch an Bürgerinnen und Bürger insgesamt. „Lassen Sie uns öffentlich sichtbar machen, dass wir Vielfalt auf Basis gemeinsamer Werte nicht fürchten, sondern schätzen und leben.“ Der Rede der Landtagspräsidentin folgten ein Grußwort von Michael Kashi vom Vorstand der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württemberg (IRGW) sowie ein Vortrag über das „Judentum nach der Shoah“ des Rabbiners Jehoschua Ahrens.
An der Gedenkstunde des Landtags nahmen neben Repräsentanten des Landesparlaments - Landtagspräsidentin Aras, Vizepräsident Wilfried Klenk und Vertretern aller Fraktionen – auch die der christlichen Kirchen sowie zahlreicher Glaubensgemeinschaften und Verbände teil: die Israelitischen Religionsgemeingemeinschaften Württemberg und Baden, die Landesrabbiner Wurmser und Flomenmann, Vertreter des Landesverbandes der Sinti und Roma, der Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas, des Vereins der Verfolgten des Naziregimes, der Gruppe der wegen ihrer sexuellen Orientierung Verfolgten sowie vom Bund der Jenischen in Deutschland. Jugendliche des Jugendzentrums HaLev begleiteten die Veranstaltung. Vorangegangen war ein stilles Gedenken am Mahnmal für die ermordeten Juden der Stadt Ulm auf dem Weinberg. Der eigentliche Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus ist der 27. Januar, der in diesem Jahr auf einen Samstag fällt. Mit Rücksicht auf den jüdischen Ruhetag, den Sabbat, findet die Gedenkstunde des Landtags bereits am Freitag, 26. Januar, statt.



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