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Ulm News, Heute, 23:42

29. Juli 2017 von Ralf Grimminger
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Sportopia oder Orange Campus: Foulspiele führen zu Geld- oder Zeitstrafen


Mit Ruhm bekleckern sich die Ulmer Sportalphatiere Walter Feucht und Dr. Thomas Stoll derzeit nicht. Beide erfolgreichen, breitbeinigen Sportfunktionäre  attackieren hart und nehmen auch das eine oder andere Foulspiel in Kauf, und zwar vom unsportlichen Foul bis zur Blutgrätsche. Beide wollen auch für Ulmer Verhältnisse  groß dimensionierte, ambitionierte und teure Bauprojekte durchsetzen, nämlich das Sportopia der TSG Söflingen und den Orange Campus von Basketball Ulm 01. Indes hat die Stadt Ulm die Basketballer in einem Brief aufgefordert, wieder die Verhandlungen konstruktiv zu führen.    

 Das Projekt „Sportopia“ der TSG Söflingen mit Multifunktionshalle mit Nebenräumen für Behinderten- und Rollstuhlsport, Ganztagesschulbetreuung, Gesundheits-, Ball- und Kindersport kostet, so die Planung, etwa 8,7 Millionen Euro. Rund zwei Millionen Euro der Kosten sind für Fitnessbereiche oder Reha-Räume vorgesehen, die etwa an Ärzte oder Physiotherapeuten fremd vermietet werden sollen, also wiederum Einnahmen bringen sollen. Die Stadt Ulm will dafür ein Darlehen - und nicht wie gewünscht einen Zuschuss - in Höhe von 1,4 Millionen Euro geben.
Drei Mal so viel, nämlich 22,8 Millionen Euro sind für das von Basketball Ulm 01 (BBU 01) geplante Sport-, Freizeit- und Dienstleistungszentrum Orange Campus mit u.a. Jugendwohnheim für Nachwuchsspieler, drei Sporthallen, eine Mensa, ein Fitnessstudio sowie Reha-und Gesundheitseinrichtungen kalkuliert. Fast die Hälfte, 10 Millionen Euro, soll für Dienstleistungsräume, Büros und Wohnungen verbaut werden.
Auf dem Campus soll der Basketballnachwuchs trainieren, und zwar bis zu 1000 Jugendliche. Das Gelände kann auch von der Allgemeinheit genutzt werden. An der sicheren Finanzierung des Großprojekts gibt es aber noch Zweifel in den Rathäusern in Neu-Ulm, vor allem aber in Ulm. Deshalb machen die Basketballer auf vielen Kanälen Druck, vor allem auf die Ulmer Stadtverwaltung und die Gemeinderäte.
 Das begann überraschenderweise mit der Forderung nach einem vorgezogenen Baubeginn – bevor überhaupt die beiden Stadträte in Ulm und Neu-Ulm über das Projekt endgültig entschieden hatten. Die Neu-Ulmer Stadträte haben inzwischen dem Orange Campus und einem 1,5 Millionen Euro-Zuschuss zugestimmt und das Projekt regelrecht bejubelt. Was wiederum die Ulmer kritisch kommentieren. Tenor: Es lässt sich leicht jubeln, wenn Neu-Ulm die Vorteile hat und Ulm den Großteil der Kosten und Risiken zu tragen habe. Zudem ständen die Neu-Ulmer nun gut da, während die Ulmer die Zauderer und Bedenkenträger bis Ablehner des "Leuchtturmprojekts" am Neu-Ulmer Donauufer seien.  
Der Ulmer Gemeinderat hat die Entscheidung auf Ende September verschoben und den Basketballer einen Foderungskatalog, insbesondere zu Fragen der Finanzierung (2,1 Millionen Euro Eigenkapital, das die Basketballer über eine Fundraising-Kampagne zusammenbringen wollen) mit in die Ferien als Hausaufgabe mitgaben.
Basketballmanager und BBU-Vereinsvorsitzender Thomas Stoll bezeichnete die Forderungen sofort als „nicht nachvollziehbar“ und stellte das Projekt insgesamt in Frage. Gleichzeitig wurden unfeine Verschwörungstheorien in Umlauf gebracht, wonach Walter Feucht aus Söflingen gegen das Projekt sei und nun eine Gegenleistung von OB Gunter Czisch für die Unterstützung im Wahlkampf einfordere.
Walter Feucht wiederum revanchiert sich in der aktuellen Ausgabe des Stadtmagazins Spazz in seiner eigenen monatlichen Kolumne ebenso unfein. Auch er spielt foul, in dem er den beiden Basketball-Managern unterstellt, sie wollten den Orange Campus auch zur persönlichen und privaten Absicherung durchsetzen.
Einige Monate vorher hatte Ex-Gemeinderat Feucht in dieser Kolumne auch die Ulmer Kommunalpolitiker öffentlich angegriffen, von denen dann einige gerade deswegen und aus Trotz gegen einen städtischen Zuschuss für das Sportopia der TSG Söflingen mit dessen Vorsitzenden Walter Feucht gestimmt haben. Ein  Eigentor.
Doch auch die Basketballer, An kermiete r der vor allem auf Betreiben der Korbjäger für 30 Millionen Euro gebauten und vor fünf Jahren eröffneten  ratiopharm arena, schießen sich eher ins Knie mit ihren Pressemitteilun gen, Newslettern, Angriffen, Facebook-Umfragen und gewagten Interpretationen dieser Umfragen sowie Online-Petitionen.
In einem Brief hat der Ulmer Finanzbürgermeister daher jetzt die Basketballer aufgefordert, wieder konstruktiv mit der Stadtverwaltung zusammen zu arbeiten. 
Stadträte, Verwaltung und Bürgermeister sind dazu da, das Beste für die Stadt zu ermöglichen. Dazu zählt auch eine sichere Finanzierung von Ve reinsprojekten, damit auch der Ulmer Steuerzahler nicht bei Problemen in der Zukunft geradestehen muss. Die Gemeinderäte entscheiden nicht nur im Sinne der Sportler, sondern im Sinne aller Bürger. Das zu genau überprüfen, braucht auch Zeit.
Die sportlichen Streithähne können froh sein, dass bis jetzt jedes Projekt einzeln ver- und behandelt wird. Denn im Rat könnte auch gefragt werden, ob es sein muss, dass in jeder Ecke der Stadt (TSG, VfL, BBU 01, SSV) große Sportbauten mit hohen Kosten für viele Millionen Euro mit einem meist deckungsgleichen Dienstleistungsangebot (Sport&am p;amp;am p;auml;rzte, Physio-Räume, Sport-Textilien, Fitness-Center usw.) gebaut werden müssen oder ob nicht einige Angebote zusammengefasst werden können und dadurch auch Geld gespart werden könnte.
Grundsätzlich gilt aber für die Politik ganz im Gegensatz zum Sport: Mit der Brechstange geht nichts. Pressing ohne  Strategie, Teamplay und einem soliden Gameplan führt selten zum Erfolg und in Ulm schon mal zur Zeit- oder Geldstrafe - oder zum Spielabbbruch.  
Text: Ralf Grimminger 



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