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Ulm News, 09.04.2016 09:30

9. April 2016 von Thomas Kießling
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Metall-Arbeitgeber fordern IG Metall zur Kurskorrektur in der Tarifpolitik


Die Metallarbeitgeber in den Regionen Ulm, Biberach und dem Alb-Donau-Kreis haben die IG Metall zu einer grundsätzlichen Kurskorrektur in der Tarifpolitik aufgefordert. „Wir dürfen uns von der aktuell noch ordentlichen Konjunktur nicht blenden lassen“, sagt Götz Maier, Geschäftsführer von Südwestmetall in Ulm. Dies könnte ansonsten zu ähnlichen strukturellen Problemen führen wie bereits in den 90er Jahren.

 „Die Tariferhöhungen der letzten Jahre haben bei vielen Betrieben die Belastungsgrenze erreicht“, so Maier. Die Entgelte wurden auf Basis von Erwartungen erhöht, die so nicht eingetreten seien. Dies beeinflusse die Wettbewerbsfähigkeit unserer hiesigen Standorte eindeutig negativ.  Allein in den letzten vier Jahren seien in den Regionen Ulm, Alb-Donau-Kreis und Biberach 15 Fälle dokumentiert worden, in denen Betriebe Arbeitsplätze abgebaut oder ins Ausland verlagert hätten.
Betroffen waren davon insgesamt 2.377 Jobs. Für dieses Jahr sind weitere Verlagerungen bereits angekündigt, so Maier: „Einfachere Produktionstätigkeiten sind hier am Standort zu teuer geworden.“ Auch wenn eine Mehrheit der freigewordenen Arbeitskräfte in der Region von anderen Unternehmen übernommen werden konnte, zeige dies doch, unter welchen schwierigen Kostenbedingungen die regionalen Betriebe bestehen müssten. Die aktuelle Tarifforderung in Höhe von fünf Prozent mache die Lage sicherlich nicht besser. „Wir haben aufgrund der Tarifforderung landesweit schon einige Austritte von Mitgliedsunternehmen zu verzeichnen“, sagt Maier. 
„Die IG Metall ist drauf und dran mit dieser Forderung den Bogen für viele Betriebe zu überspannen“, fügt Mario Trunzer, Vorsitzender der Bezirksgruppe Ulm von Südwestmetall und Geschäftsführer der Liebherr Werk Ehingen GmbH hinzu. Trunzer kritisiert insbesondere die Beliebigkeit, mit der die IG Metall ihre Forderung begründe. Über viele Jahre hinweg habe die Gewerkschaft die Inflation plus den gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsgewinn als „verteilungsneutralen“ Spielraum für Lohnerhöhungen definiert, so Trunzer: „Da mit diesen Werten derzeit eine Forderung von fünf Prozent niemals erklärt werden könnte, sucht sich die IG Metall jetzt einfach neue Bezugsgrößen aus.“ Statt mit realen Werten werde nun mit der Zielinflation der EZB – zwei Prozent – und mit einer angeblichen „Trend“produktivität in Höhe von 1,1 Prozent argumentiert. „Hier wird allerdings ‚Trend‘ mit ‚Durchschnitt‘ verwechselt und dabei ignoriert, dass der Trend deutlich nach unten geht“, sagt Trunzer: „Am Ende zählt man dann noch eine Umverteilungskomponente hinzu, so dass eine schön runde Zahl dabei rauskommt – ganz nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht.“ Würde man die frühere Logik der IG Metall heranziehen, dann seien in dieser Runde kaum ein Prozent der Forderung begründbar, führt Maier aus: „Die Forderung mag niedriger sein als in den Vorjahren. Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen sind jedoch rund 80 Prozent heiße Luft, denn auch für eine Umverteilung gibt es in diesem Jahr überhaupt keinen Spielraum.“
Bereits in den letzten drei Tarifrunden seit 2012 seien die Entgelte in der M+E-Industrie weit – um gut sechs Prozent – über den angeblich „verteilungsneutralen“ Spielraum hinaus erhöht worden: „Wollte man dies fair ausgleichen, müssten die Entgelte eigentlich nach unten angepasst oder zumindest vorübergehend eingefroren werden.“ Tarifabschlüsse müssten sich wieder darauf konzentrieren, Mindeststandards für die Branche zu definieren und damit verkraftbar niedrig für das Gros der Betriebe ausfallen, statt sich an den Besten der Branche zu orientieren &am p;amp;am p;amp;am p;ndash; und damit regelmäßig eine immer größere Zahl von Unternehmen zu überfordern, sagt Maier. Eine Lohnerhöhung um fünf Prozent würde damit bei durchschnittlichen Personalkosten von 30 Prozent all jenen Unternehmen den kompletten Gewinn wegfressen, die bisher eine Rendite von 1,5 Prozent oder weniger hatten: „Eine solche Entgeltpolitik hat keine Zukunft.“ Eine Flexibilisierung des Flächentarifs würde vielen Betrieben dann wirklich helfen, wenn sie zu einer dauerhaften Entlastung beim Entgelt führe: „Wenn dadurch zusätzliche Kostenbelastungen nur zeitlich verschoben werden, wird das strukturelle Problem auch nicht gelöst.“



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