Ulm News, 09.04.2016 09:30
Metall-Arbeitgeber fordern IG Metall zur Kurskorrektur in der Tarifpolitik
Die Metallarbeitgeber in den Regionen Ulm, Biberach und dem Alb-Donau-Kreis haben die IG Metall zu einer grundsätzlichen Kurskorrektur in der Tarifpolitik aufgefordert. „Wir dürfen uns von der aktuell noch ordentlichen Konjunktur nicht blenden lassen“, sagt Götz Maier, Geschäftsführer von Südwestmetall in Ulm. Dies könnte ansonsten zu ähnlichen strukturellen Problemen führen wie bereits in den 90er Jahren.
„Die Tariferhöhungen der letzten Jahre haben bei vielen Betrieben die Belastungsgrenze erreicht“, so Maier. Die Entgelte wurden auf Basis von Erwartungen erhöht, die so nicht eingetreten seien. Dies beeinflusse die Wettbewerbsfähigkeit unserer hiesigen Standorte eindeutig negativ. Allein in den letzten vier Jahren seien in den Regionen Ulm, Alb-Donau-Kreis und Biberach 15 Fälle dokumentiert worden, in denen Betriebe Arbeitsplätze abgebaut oder ins Ausland verlagert hätten.
Betroffen waren davon insgesamt 2.377 Jobs. Für dieses Jahr sind weitere Verlagerungen bereits angekündigt, so Maier: „Einfachere Produktionstätigkeiten sind hier am Standort zu teuer geworden.“ Auch wenn eine Mehrheit der freigewordenen Arbeitskräfte in der Region von anderen Unternehmen übernommen werden konnte, zeige dies doch, unter welchen schwierigen Kostenbedingungen die regionalen Betriebe bestehen müssten. Die aktuelle Tarifforderung in Höhe von fünf Prozent mache die Lage sicherlich nicht besser. „Wir haben aufgrund der Tarifforderung landesweit schon einige Austritte von Mitgliedsunternehmen zu verzeichnen“, sagt Maier.
„Die IG Metall ist drauf und dran mit dieser Forderung den Bogen für viele Betriebe zu überspannen“, fügt Mario Trunzer, Vorsitzender der Bezirksgruppe Ulm von Südwestmetall und Geschäftsführer der Liebherr Werk Ehingen GmbH hinzu. Trunzer kritisiert insbesondere die Beliebigkeit, mit der die IG Metall ihre Forderung begründe. Über viele Jahre hinweg habe die Gewerkschaft die Inflation plus den gesamtwirtschaftlichen Produktivitätsgewinn als „verteilungsneutralen“ Spielraum für Lohnerhöhungen definiert, so Trunzer: „Da mit diesen Werten derzeit eine Forderung von fünf Prozent niemals erklärt werden könnte, sucht sich die IG Metall jetzt einfach neue Bezugsgrößen aus.“ Statt mit realen Werten werde nun mit der Zielinflation der EZB – zwei Prozent – und mit einer angeblichen „Trend“produktivität in Höhe von 1,1 Prozent argumentiert. „Hier wird allerdings ‚Trend‘ mit ‚Durchschnitt‘ verwechselt und dabei ignoriert, dass der Trend deutlich nach unten geht“, sagt Trunzer: „Am Ende zählt man dann noch eine Umverteilungskomponente hinzu, so dass eine schön runde Zahl dabei rauskommt – ganz nach dem Motto: Was nicht passt, wird passend gemacht.“ Würde man die frühere Logik der IG Metall heranziehen, dann seien in dieser Runde kaum ein Prozent der Forderung begründbar, führt Maier aus: „Die Forderung mag niedriger sein als in den Vorjahren. Angesichts der aktuellen Rahmenbedingungen sind jedoch rund 80 Prozent heiße Luft, denn auch für eine Umverteilung gibt es in diesem Jahr überhaupt keinen Spielraum.“
Bereits in den letzten drei Tarifrunden seit 2012 seien die Entgelte in der M+E-Industrie weit – um gut sechs Prozent – über den angeblich „verteilungsneutralen“ Spielraum hinaus erhöht worden: „Wollte man dies fair ausgleichen, müssten die Entgelte eigentlich nach unten angepasst oder zumindest vorübergehend eingefroren werden.“ Tarifabschlüsse müssten sich wieder darauf konzentrieren, Mindeststandards für die Branche zu definieren und damit verkraftbar niedrig für das Gros der Betriebe ausfallen, statt sich an den Besten der Branche zu orientieren &am
p;amp;am p;amp;am p;ndash; und damit regelmäßig eine immer größere Zahl von Unternehmen zu überfordern, sagt Maier. Eine Lohnerhöhung um fünf Prozent würde damit bei durchschnittlichen Personalkosten von 30 Prozent all jenen Unternehmen den kompletten Gewinn wegfressen, die bisher eine Rendite von 1,5 Prozent oder weniger hatten: „Eine solche Entgeltpolitik hat keine Zukunft.“ Eine Flexibilisierung des Flächentarifs würde vielen Betrieben dann wirklich helfen, wenn sie zu einer dauerhaften Entlastung beim Entgelt führe: „Wenn dadurch zusätzliche Kostenbelastungen nur zeitlich verschoben werden, wird das strukturelle Problem auch nicht gelöst.“





Highlight
Weitere Topevents
Nach Frontal-Crash: Beifahrerin tödlich verunglückt - neue Erkenntnisse der Poliezi
Am Freitag stießen auf der L240 zwischen Schelklingen und Ringingen zwei Fahrzeuge frontal zusammen - mit...weiterlesen
Tödlicher Unfall bei Ehingen - Bus und Auto stoßen zusammen
Ein 58-jähriger Autofahrer starb am Dienstagnachmittag bei Ehingen. Tödlicher Unfall auf der B492Ein...weiterlesen
Der Riesen-Kran für die Ulmer Wallstraßenbrücke ist da - Kran kostet 10.000 Euro Miete - pro Stunde
Ein Gigant aus Stahl hat Ulm erreicht. In Einzelteilen. Seit Montag wird der Raupenkran Liebherr LR 11000...weiterlesen
Nachtrag der Polizei: Beim Frontal-Crash auf der B10 ist nun der Autofahrer seinen schweren Verletzungen erlegen
Am Montag kollidierte ein 26-jähriger Autofahrer auf der B10 zwischen Amstetten und Geislingen frontal...weiterlesen
Polizei stoppt Mann mit Messer in Neu-Ulm
Am Donnerstagvormittag kam es in der Mörikestraße in Neu-Ulm zu einem größeren Polizeieinsatz, nachdem...weiterlesen
"Und das muss für heute reichen" - tut es nicht: Arnd Zeigler zeigt seine wundere Welt des Fußalls im Roxy
Arnd Zeigler geht auch 2025 mit seinem dritten Bühnenprogramm „Immer Glück ist Können" auf Tour....weiterlesen
Wohl kein Glanzlicht der Woche: Rien ne va plus unter der Wallstraßenbrücke - Resultat: ein Chaos für alle, nicht nur Autofahrer
Seit Freitagmorgen ist die Kienlesbergstraße in Ulm voll gesperrt.
Grund ist der notwendige Abriss der...weiterlesen
Ein Glanzlicht der Woche: Ulms Mega-Kran ist aufgebaut - höher als das Münster - nun kann es für 10.000 Euro Miete pro Stunde losgehen
Die Stadt Ulm erlebt ihre wohl bisher größte Baustelle. Für den Neubau der Wallstraßenbrücke wird nun...weiterlesen







