Ulm News, 13.02.2026 11:18
IHK Schwaben mahnt Wirtschaftswende an – Kommunalwahl soll neue Wachstumsimpulse vor Ort bringen
Die IHK-Regionalversammlung Neu-Ulm hat jüngst die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfragen und ihre Positionen zur Kommunalwahl vorgestellt. Politisch können und wolle man nicht werden, sagte der IHK-Vorsitzende Gerd Stiefel, aber einiges müsse die Politik schleunigst regeln: denn die Konjunktur der regionalen Wirtschaft lahme – und das schon im vierten Jahr – und die Hemmnisse werden immer mehr statt weniger.
Die Zahlen sind alles andere als gut: Die Stimmung der Wirtschaft im Landkreis Neu-Ulm hat sich zum Jahresbeginn 2026 weiter eingetrübt. Der IHK-Konjunkturindex, der sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen der Unternehmen abbildet, sinkt im Vergleich zum Herbst 2025 um 6 auf 99 Punkte. „Die Unternehmen in der Region warten nach wie vor auf die Trendwende. Neben den angekündigten Reformen im Bund erhoffen sich viele Unternehmen neue Wachstumsimpulse aus ihren Rathäusern und Landratsämtern“, stellt Gerd Stiefel, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Neu-Ulm mit Blick auf die Ergebnisse der aktuellen IHK-Konjunkturumfrage und den bayerischen Kommunalwahlen im März fest. Alexander Kulitz, Vorstandsmitglied der IHK-Regionalversammlung, ergänzt: „Wir brauchen dringend grundlegende politische Reformen, um wieder mehr Wachstum durch wirtschaftsfördernde Rahmenbedingungen zu stimulieren. Dann wird sich auch die Stimmung in den Unternehmen wieder spürbar verbessern.“ Von Kurzarbeit soll man ihm – wörtlich – vom Leib bleiben. Sein Unternehmen Esta in Senden hatte dieses Arbeitsmarktinstrument in jüngster Vergangenheit eingesetzt – aber die bürokratischen Hürden seien einfach zu hoch, um es rentabel und zum Wohle der Mitarbeitenden einzusetzen. „Bei Corona erfüllt Kurzarbeit ihren Zweck, jetzt aber ist es ein bürokratisches Monster geworden“, sagte Kulitz.
Vom 5. bis 16. Januar 2026 hat die IHK Schwaben einen auch regional repräsentativen Querschnitt ihrer Mitgliedsunternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen zu aktueller Lage, Erwartungen und den größten konjunkturellen Risiken befragt. Bereits im Herbst 2025 hat die IHK-Regionalversammlung Neu-Ulm, die 11.631 Unternehmen im Landkreis Neu-Ulm vertritt, die Positionen der regionalen Wirtschaft zur Kommunalwahl 2026 beschlossen.
Stimmung weiterhin angespannt
Mit 99 Punkten liegt der IHK-Konjunkturindex für den Landkreis Neu-Ulm knapp unterhalb der „Wachstumsschwelle“ von 100 Punkten, sowie deutlich unterhalb seines 10-jährigen Durchschnitts. Zum Vergleich: In Bayerisch-Schwaben erreicht der IHK-Konjunkturindex aktuell einen Wert von 108 Punkten, im Nachbarlandkreis Günzburg 96 Punkte. „Unser Standort weist in wichtigen Leitbranchen einen Exportanteil von gut 47 Prozent auf und ist daher nicht unerheblich von den Entwicklungen auf den internationalen Märkten abhängig. Aufgrund der geopolitischen Spannungen ist der Kosten- und Wettbewerbsdruck auf unsere Unternehmen aktuell sehr groß, stellt IHK-Regionalgeschäftsführer Oliver Stipar bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse fest.
Geschäftslage und Erwartungen verändern sich
Im Vergleich zur letzten Umfrage im Herbst 2025 haben sich sowohl die Geschäftslage als auch die Erwartungen verändert. Als „gut“ bewerten nun 17 Prozent ihre aktuelle Geschäftslage, als „schlecht“ 21 Prozent. Die verbleibenden 62 Prozent beurteilen diese als „befriedigend“. Der Erwartungen für das kommende halbe Jahr stellen sich wie folgt dar: 16 Prozent erwarten eine „verbesserte“, 13 Prozent eine „verschlechterte“ und 71 Prozent eine „nicht veränderte“ Geschäftslage.
Branchenentwicklung in Bayerisch-Schwaben nähert sich an
Die Stimmung in den betrachteten Branchen nähert sich an. Der Trend ist mit Ausnahme des Einzelhandels (Index bei 96 Punkten) bei allen Branchen leicht positiv. Über der Wachstumsschwelle liegen damit die unternehmensbezogenen Dienstleistungen (116 Punkte), das Baugewerbe (112 Punkte), das Transportgewerbe (109 Punkte), das Reise- und Gastgewerbe (103 Punkte) sowie die Industrie (102 Punkte).
Viele Risiken belasten die Investitions- und Beschäftigungspläne
Die regionale Wirtschaft hat mit vielen Risiken gleichzeitig zu kämpfen. Im Vergleich zum Herbst 2025 hat deren Intensität sogar noch weiter zugenommen. Die fünf größten konjunkturellen Risiken sind: wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen (65 Prozent, +2), Inlandsnachfrage (63 Prozent, +1), Arbeitskosten (60 Prozent, +5 entspricht Allzeit-Hoch), Energie- und Rohstoffpreise (44 Prozent, -2) sowie Arbeits- und Fachkräftemangel (39 Prozent, -3). Gerd Stiefel: „Die vielen Risiken drücken trotz der kurzfristig besseren Stimmung auf die langfristigen Investitions- und Beschäftigungspläne der heimischen Wirtschaft. Es ist daher Zeit für mutige Reformen, die Risiken abbauen und neue Möglichkeiten schaffen. Dazu gehört ein Steuersystem, das Erträge auf international wettbewerbsfähigem Niveau besteuert, sowie ein Erbschaftsteuerrecht, das Unternehmensnachfolgen fördert und Betriebsvermögen für Investitionen und Arbeitsplätze schont. Darüber hinaus muss das Arbeitsvolumen in Deutschland steigen, beispielsweise indem Vollzeit nicht nur zeitlich möglich, sondern auch steuerlich attraktiv ist.“ Beim Thema Erbschaftssteuer Vorstandsmitglied Andreas Knittel, das auch hier die Politik bislang in die falsche Richtung steuere: „Wenn Finanzmittel aus dem firmenvermögen herausgezogen werden, dann können die natürlich sehr wohl besteuert werden, aber nicht die Mittel, die im Betrieb bleiben und für Investitionen und Arbeitsplätze dringend gebraucht werden“, so Knittel.
Regionale Wirtschaft und die Kommunalpolitik müssen Partner sein
„Wachstumsfördernde Rahmenbedingungen entstehen aber nicht nur in München, Berlin und Brüssel. Sie entstehen genauso hier, vor Ort – in unseren Rathäusern und Landratsämtern“, betont Gerd Stiefel. Daher hat die IHK-Regionalversammlung Neu-Ulm in den Bereichen Standortfaktoren, Moderne Verwaltung, Finanzen und Steuern, Bildung und Fachkräftesicherung sowie Innenstadt und Ortskerne konkrete Handlungsfelder herausgearbeitet und selbst Vorschläge unterbreitet. Gerd Stiefel abschließend: „Kommunen und Landkreise machen Wirtschaftspolitik – jeden Tag, ganz unmittelbar. Und deshalb sage ich sehr klar: Die regionale Wirtschaft und die Kommunalpolitik müssen Partner sein. Wir brauchen kommunale Entscheiderinnen und Entscheider, die die wirtschaftliche Perspektive verstehen und gemeinsam mit uns handeln.“ Die IHK Schwaben sei mittlerweile in regelmäßigen Treffen mit Neu-Ulms Oberbürgermeisterin Katrin Albsteiger und Landrätin Eva Treu. „Der Meinungsaustausch funktioniert, wir werden gehört – es wir auch gezielt nachgefragt, die Politik hat en Ernst der Lage verstanden, das ist gut so“, so Gerd Stiefel abschließend. Die nächste Konjunkturumfrage könne ruhig besser ausfallen, gab sich das IHK-Gremium vor der Presse hoffnungsvoll.
Über die IHK Schwaben
Die IHK Schwaben vertritt im Regierungsbezirk Schwaben rund 140.000 Mitgliedsunternehmen aus den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen. Sie ist seit 1843 das Selbstverwaltungsorgan der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft. Als Körperschaft des öffentlichen Rechts berät sie Unternehmen, bündelt und vertritt deren Interessen und bildet Menschen in der Region aus und weiter. Sitz der IHK Schwaben ist Augsburg. Darüber hinaus gibt es acht Regionalbüros in Dillingen, Donauwörth, Günzburg, Kaufbeuren, Kempten, Lindau, Memmingen und Neu-Ulm. Ihr gewählter Präsident ist Reinhold Braun. Hauptgeschäftsführer ist Dr. Marc Lucassen.





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