Ulm News, 05.02.2026 16:15
Erholung der Wirtschaft weiter nicht in Sicht: IHK-Konjunkturbericht Jahresbeginn 2026
Viele Unternehmen aus der IHK-Region Ulm senken derzeit ihre
Daumen. Steigende Kosten bei schwächelndem Absatz lässt die
Zufriedenheit mit ihrer wirtschaftlichen Lage schrumpfen.
Internationale Konflikte, eine anhaltend schwache Nachfrage und
unklare Signale aus der Wirtschaftspolitik drücken die Stimmung.
Folglich befürchten die Unternehmen, dass sie auch im neuen Jahr
eher mit Gegen- als mit Rückenwind zurechtkommen müssen.
Eine baldige Erholung ist weiterhin nicht in Sicht.
Es folgen noch die Einschätzungen der baierisch-schwäbischen IHK.
Die regionale Wirtschaft ist ohne Schwung ins Jahr 2026 gestartet, so die IHK Ulm. Zwar hat sich der Umsatzschwund zumindest spürbar verlangsamt
und die Auftragseingänge stabilisieren sich allmählich. Letztlich
bleibt das Niveau aber unbefriedigend. Steigende Kosten drücken
zudem auf die Ertragslage. Folglich ist die Zufriedenheit der
Unternehmen in der IHK-Region Ulm mit ihrer aktuellen
wirtschaftlichen Situation im Vergleich zum Herbst letzten Jahres
zurückgegangen. Der IHK-Lageindikator, der die Differenz zwischen
positiven und negativen Einschätzungen abbildet, hat sich von 13
auf sechs Punkte verringert. Der Abstand zum langfristigen
Durchschnitt von 31 Punkten ist damit markant. Das gilt
insbesondere für die Industrie, aber nicht ganz so markant auch für
den Großhandel und die Dienstleistungen. Dank eines nicht so
schlecht wie befürchtet verlaufenem Weihnachtsgeschäft, hat sich
die Lage im Einzelhandel etwas entspannt.
Klare Hoffnungsschimmer, die auf eine Belebung der regionalen
Konjunktur in den kommenden Monaten hindeuten, sind zudem
nicht erkennbar. Zwar ist der Anteil der Betriebe mit pessimistischen
Erwartungen von 24 auf 21 Prozent zurückgegangen. Allerdings nur
zugunsten der Unternehmen, die von einer anhaltenden Stagnation
ihrer Geschäfte ausgehen.
Die Dienstleister blicken mit etwas finsterer Miene auf die
kommenden zwölf Monate; auch die Stimmung im Großhandel hat
sich eingetrübt. In Industrie und Einzelhandel fällt der Blick nach
vorn etwas freundlicher aus als noch im Herbst. Insgesamt führt das
zu einer minimalen Aufhellung der Erwartungen. Trotzdem fällt der
Blick nach vorne weiterhin leicht skeptisch aus.
Nachfrageimpulse fehlen
Die Ursachen für diese Entwicklung sind sowohl in den veränderten
globalen wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmenbedingungen
als auch in den inländischen Strukturdefiziten zu suchen. So muss
sich die hiesige Wirtschaft darauf einstellen, dass China zunehmend
seinen Bedarf an hochwertigen Maschinen und Fahrzeugen selbst
produzieren kann und häufig stark subventioniert auf den globalen
Märkten als qualitativ ebenbürtiger Konkurrent auftritt. Gleichzeitig
trübt die protektionistische und schwankende Handelspolitik Trumps
das bislang lukrative US-Geschäft. Hinzu kommen zahlreiche
weitere geopolitische Spannungen und Konflikte, die für nicht ganz
jedes zweite hiesige Unternehmen ein Geschäftsrisiko darstellen.
In der Industrie gilt das sogar für sechs von zehn Betrieben.
Während die heimische Industrie im weiteren Jahresverlauf mit
Absatzrückgängen in China und den USA rechnet, verspricht sie sich
kräftige Nachfrageimpulse aus anderen asiatischen Märkten und
durchaus auch aus der Europäischen Union. Insgesamt sind von den
Exporten aber keine großen Impulse zu erwarten.
Strukturelle Defizite gefährden die Wettbewerbsfähigkeit
Den hiesigen Unternehmen bereiten neben der
Nachfrageentwicklung auch mehr und mehr die stetig steigenden
Kosten Sorgen. Erstmals nennen mit einem Anteil von 68 Prozent
mehr Betriebe die Arbeitskosten als Geschäftsrisiko als die
Inlandsnachfrage (66 Prozent). Auf der einen Seite puscht der
gestiegene Mindestlohn die Forderungen nach steigenden Gehältern
in den darüber liegenden Lohngruppen. Zum anderen lassen
ausbleibende Strukturreformen (Renten-, Kranken- und
Pflegeversicherung) die Lohnnebenkosten zu einer immer größeren
Belastung werden. Dadurch verliert die hiesige Wirtschaft
zunehmend an preislicher Wettbewerbsfähigkeit.
Die Aufwertung des Euro gegenüber dem Dollar in den vergangenen Monaten
verschärft das Problem. Die im internationalen Vergleich hohen Energiekosten erschwert es den hiesigen Betrieben zusätzlich, konkurrenzfähige Preise anbieten zu können. Und das Vertrauen in die Politik ist weiter gehemmt: 37
Prozent aller Betriebe sehen in der Wirtschaftspolitik sogar ein
Risiko für die eigenen Geschäfte.
„Wir brauchen dringend eine wirtschaftspolitische Wende mit klaren
Prioritäten für Wettbewerbsfähigkeit und Wachstum. Ohne mutige
und tiefgreifende Strukturreformen bei den sozialen Sicherungs-
systemen, aber auch bei den Steuern, auf dem Arbeitsmarkt und bei
den Energiepreisen wird dies nicht gelingen. Der Wirtschaft müssen
durch Entlastungen und Deregulierungen dringend mehr Freiräume
eingeräumt werden“, fordert IHK-Präsident Dr. Jan Stefan Roell.
Verhaltene Investitionspläne
Die anhaltend hohe Verunsicherung schlägt sich auch in einer
geringen Investitionsbereitschaft nieder. Zwar hat sich der Anteil der
Unternehmen, die weniger investieren wollen, um zehn Prozent-
punkte auf 18 Prozent verringert. Jedoch ist auch die Zahl der
Betriebe mit expansiven Investitionsplänen zurückgegangen. Die
Ausgaben für Investitionen in Deutschland dürften somit auf ihrem
bisherigen geringen Niveau stagnieren. Expansionsinvestitionen
bleiben Mangelware.
Standorte im Ausland sind attraktiver
Hiesige Investitionsstandorte fallen oft auch hinter Standorte im
Ausland zurück. Zwar plant derzeit nur ein Viertel der regionalen
Industrieunternehmen im Ausland zu investieren. Bei den meisten
von diesen Betrieben (71 Prozent) ersetzen die
Auslandsinvestitionen jedoch Investitionen im Inland, die vorerst
zurückgestellt wurden.
Allerdings hat sich auch die Dynamik bei den Auslandsinvestitionen
abgeschwächt. Die gestiegenen globalen Unsicherheiten könnten
zur größeren Zurückhaltung beigetragen haben. 27 Prozent aller im
Ausland aktiven Industrieunternehmen haben ihre Budgets für
Auslandsinvestitionen erhöht, nicht einmal halb so viele wie vor
Jahresfrist. 60 Prozent wollen im Jahr 2026 gleich viel investieren,
wie im Vorjahr und 13 Prozent planen, ihr investives
Auslandsengagement zu reduzieren.
Personalbedarf geht zurück
Die schwächelnde konjunkturelle Entwicklung schlägt zunehmend
auch auf den Arbeitsmarkt durch. Ein Zehntel aller Unternehmen
möchte in den kommenden Monaten zusätzliches Personal
einstellen. Hingegen planen 28 Prozent ihre Belegschaften zu
verkleinern.
Weil der Schuh in der Krise an anderer Stelle stärker drückt, nennen
weniger Unternehmen den Fachkräftemangel als Risiko für die
eigene Geschäftsentwicklung (aktuell 43 Prozent, letzten Herbst
waren es noch 48 Prozent). Der regionalen Wirtschaft ist jedoch
bewusst, dass die Engpässe aus Gründen der Demografie nicht
verschwinden werden. Die meisten Unternehmen versuchen daher
weiterhin ihren Personalbestand zu halten (61 Prozent).
Der Arbeitsmarkt erweist sich deshalb auch weiterhin als robust. Die
Arbeitslosenquote lag in der IHK-Region Ulm im Dezember 2025 mit
3,2 Prozent nur um 0.1 Prozentpunkte höher als ein Jahr zuvor.




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