Ulm News, 15.11.2025 13:30
Kurioses Glanzlicht der Woche: Ein Brandbrief, der so nicht gemeint war – Unruhe bei den Spatzen hält an – nun rudern die Kapitäne zurück
Er brachte das Fass zum Überlaufen bei den Spatzen. Mit dem Brandbrief von den Kapitänen Jo Reichert und Chris Ortag kam der Stein letztendlich ins Rollen und sowohl Geschäftsführer Markus Thiele wie auch Cheftrainer Moritz Glasbrenner mussten gehen. Sogar bundesweite Medien wie die Tagesschau, die Süddeutsche Zeitung sowie die BILD berichteten darüber und sprachen von „Spieler-Revolte“ und „Brandbrief“. Doch jetzt gehen die beiden Kapitäne an die Öffentlichkeit: So sei der Brief nicht gemeint, sei schon gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt gewesen – man möchte sich in aller Form bei Thiele und Glasbrenner entschuldigen – und da bleibt nur noch die Frage: wer vom SSV-Aufsichtsrat hat ihn an die Öffentlichkeit durchgesteckt?
In einer heute Mittag (Donnerstag) auf Instagram veröffentlichten Stellungnahme betonen die beiden Führungsspieler, dass der Brief ausschließlich aus einem internen Mannschaftsgespräch am Sonntagmorgen hervorgegangen sei. "In erster Linie haben wir sehr selbstkritisch unsere Leistungen auf dem Platz hinterfragt und uns gegenseitig aufgefordert, in dieser schwierigen Situation noch besser zusammenzuhalten“, schreiben Reichert und Torwart Ortag. Dabei seien auch Sorgen und Bedenken zur sportlichen Situation geäußert worden – der InstaPost wrid bereits von zahlreichen Medien zitiert.
Nach diesem "emotionalen, hitzigen und doch sehr selbstkritischen Gespräch" hätten sich Reichert und Ortag entschieden, einen Brief an den Aufsichtsrat zu verfassen – allerdings ohne Absprache mit der Mannschaft. "Als langjährige Kapitäne sahen wir uns in der Pflicht, Verantwortung zu übernehmen, um dem Aufsichtsrat unsere Sicht der Dinge darzulegen. Für uns steht der Verein immer im Vordergrund.“ Dass das vertrauliche Schreiben an die Öffentlichkeit gelangte, bedauern beide zutiefst. "Unsere Zeilen waren ausschließlich an den Aufsichtsrat gerichtet und in keinster Weise für die Öffentlichkeit bestimmt“, so Ortag und Reichert.
Besonders die Wortwahl im Brief – unter anderem von einer "vergifteten Atmosphäre" und einer unerträglichen Situation war die Rede – bezeichnen sie rückblickend als "absolut falsch gewählt". Zudem stellen Reichert und Ortag klar, dass es keine Spielerrevolte gegeben habe: "Zu keinem Zeitpunkt wollten wir bestimmte Personen diskreditieren oder uns in eine Opferrolle begeben." Vielmehr seien sie sich auch die Spieler – und sie im Besonderen - ihrer Verantwortung für die sportliche Lage bewusst.
Darüber hinaus entschuldigen sich die beiden Kapitäne dafür, dass durch den Brandbrief ein negatives Bild einzelner Personen, insbesondere von Trainer und Geschäftsführer, entstanden sei. "Wir bedauern das sehr und möchten uns in aller Form entschuldigen", heißt es weiter. Reichert und Ortag betonen, sie würden weiterhin "alles für diesen Verein geben" und hoffen nun auf die Unterstützung der Fans, um gemeinsam aus der Krise herauszufinden. Der Aufsichtsrat der Ulmer hatte am Montagabend – wie von Reichert und Ortag gefordert – gehandelt und sowohl Trainer Moritz Glasbrenner als auch Geschäftsführer Markus Thiele freigestellt. Wer vom SSV-Aufsichtsrat hat den Brief nun an die Öffentlichkeit durchgesteckt, wenn er für diese gar nicht bestimmt war – wer spielt in diesem Gremium – oder ggf. auch im noch verbliebenen Vorstand - über Bande? ulm-news bleibt dran an diesem Thema.
Die Suche nach einem neuen Trainer laufe auf Hochtouren, wie es hieß. ulm-news hat mögliche Kandidaten in einem anderen Bericht einmal aufgezählt. Bis der neue Trainer gefunden ist, hat vorläufig NLZ-Leiter Oliver Unsöld das Amt interimsmäßig übernommen. Er wird damit morgen an der Linie stehen, wenn die Spatzen nach Vorarlberg „fliegen“ und ein Testspiel gegen den SCR Altach (Sportclub Rheindorf Altach) absolvieren wird. Das Spiel wird um 14.00 Uhr im Schnabelholz-Stadion im benachbarten Koblach angepfiffen. Der Eintritt für das Spiel ist kostenfrei.
Ulm-news wird über Instagram live berichten und danach in Zusammenfassung auf – eben – ulm-news.de.




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