Ulm News, 31.07.2025 11:30
Wie Politik auf die Aktienkurse durchschlägt: Neues Forschungsprojekt an der Uni Ulm
Wie wirkt sich regulatorische Unsicherheit auf die Bewertung von Vermögenswerten und Anlageentscheidungen aus? Diese Frage steht im Mittelpunkt einer neuen Forschungsgruppe, die kürzlich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft bewilligt wurde. Für vier Jahre stehen den insgesamt sieben Wissenschaftlerinnen – es handelt sich um ein reines Frauenteam – rund 3,2 Millionen Euro zur Verfügung. Sprecherin ist Professorin An Chen von der Universität Ulm.
Im April versetzt der US-amerikanische Präsident Donald Trump mit der Androhung massiver Zollerhöhungen die Regierungen vieler Länder in Angst und Schrecken. Auch Handelsbörsen und Finanzmärkte spielen verrückt. Denn auf der ganzen Welt sind Anleger und Investoren verunsichert. Auch nach der aktuellen Zolleinigung mit der EU stellt sich die Frage: Wie geht es weiter? „Das ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich regulatorische Unsicherheit auf Anlagestrategien und Preisbildung von Vermögenswerten auswirken kann“, erklärt Professorin An Chen, Leiterin des Instituts für Versicherungswissenschaften an der Universität Ulm. Die international renommierte Expertin für Aktuarwissenschaften und Asset Allocation ist Sprecherin der neuen Forschungsgruppe FOR 5583 der Deutschen Forschungsgemeinschaft.
Die DFG-Forschungsgruppe trägt den Titel „Asset Allocation and Asset Pricing in Regulated Markets and Institutions“. Die Gruppe, an der insgesamt sieben Wissenschaftlerinnen von sechs Universitäten beteiligt sind, erforscht in fünf Teilprojekten, wie sich mangelnde Klarheit oder Vorhersehbarkeit von wirtschaftspolitischen Regulierungen auf Anlageentscheidungen und die Bewertung von Vermögenswerten auswirken. „Regulatorische Unsicherheit besteht dann, wenn Zeitpunkt und Umfang geplanter oder wahrscheinlicher wirtschaftspolitischer Regulierungsmaßnahmen wie beispielsweise Zölle oder Steuern nicht bekannt sind“, so Chen. Die Forschungsgruppe untersucht dies für drei Felder: erstens für unterschiedliche Sektoren wie den Finanzmarkt, die Versicherungswirtschaft und den Handel, zweitens für den Bereich Klimapolitik, der geprägt ist von regulativen Maßnahmen wie der CO2-Steuer oder dem Emissionshandel sowie drittens dem Steuersystem. „Wir interessieren uns nun konkret dafür, wie die regulatorische Unvorhersehbarkeit die Bewertung von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen und anderen Finanzprodukten beeinflusst und die Attraktivität für Investoren verändert“, erläutert Professorin Nicole Bäuerle vom Institut für Stochastik am KIT. Die Finanzmathematikerin ist Vizesprecherin der Forschungsgruppe.
Das Thema des Forschungsprojektes ist hochrelevant. „Denn in Zeiten politischer, wirtschaftlicher und technologischer Unsicherheit schlagen sich regulatorische Unsicherheiten schnell als systemische Risiken nieder. Dabei drohen Spillover-Effekte, die sich über viele Sektoren hinweg ausbreiten können“, betonen die Forscherinnen. Auch methodisch ist das Projekt hochinnovativ: denn es verbindet theoretisch-mathematische Modellierung und empirisch-statistische Messung. Von der stochastischen Optimierung über Methoden des statistical learning bis hin zur Nutzung unstrukturierter Daten wie Texte – die wissenschaftlichen Werkzeuge sind maßgeschneidert zugeschnitten auf das Projekt und das Resultat einer engen interdisziplinären Zusammenarbeit.
Das Team besteht aus Wirtschaftswissenschaftlerinnen und Mathematikerinnen, aus Expertinnen für Finance, Versicherungen und Steuern, für Aktuarwissenschaften und Ökonometrie. „Wir arbeiten schon seit vielen Jahren zusammen und ergänzen uns perfekt. Über die Zeit haben wir gemerkt, dass wir untereinander nicht nur wissenschaftlich sehr viele Anknüpfungspunkte haben. Wir teilen auch das gleiche Mindset und haben persönlich viel gemeinsam“, bestätigen die Wissenschaftlerinnen. Zum Team gehören neben An Chen und Nicole Bäuerle
noch die Professorinnen Nicole Branger (Universität Münster), Monika Gehde-Trapp (Universität Tübingen), Antje Mahayni (Universität Duisburg-Essen), Melanie Schienle (KIT) und Caren Sureth-Sloane (Universität Paderborn).
„Wir freuen uns sehr, dass die Deutsche Forschungsgemeinschaft diese Forschungsgruppe fördert. Und natürlich sind wir stolz darauf, dass das Konsortium von Ulm aus geführt wird“, betont Universitätspräsident Professor Michael Weber. Ulmer Forschende wie Professorin An Chen gehören zu den Führenden weltweit in den Aktuar- und Versicherungswissenschaften sowie im Bereich Asset Allocation.
Begriffsklärung
Asset Allocation wird im Deutschen übersetzt mit Vermögensallokation oder Anlagenaufteilung. Gemeint ist damit die strategische Verteilung des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen, wie Anleihen, Immobilien und Rohstoffe.
Asset Pricing – auf Deutsch Vermögenspreisbildung oder Anlagenpreisgestaltung – meint den Prozess, über den der Wert von Vermögenswerten wie Aktien, Anleihen oder Immobilien bestimmt wird. Dieser hängt im Wesentlichen auch von Nachfrage und Angebot ab.
DFG Forschungsgruppe
Die Forschungsgruppen sind ein besonderes Förderformat der Deutschen Forschungsgemeinschaft für ein enges Arbeitsbündnis mehrerer herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die gemeinsam eine Forschungsaufgabe bearbeiten. Voraussetzung für die Bewilligung ist die wissenschaftliche Qualität und Originalität des Forschungsvorhabens. Angelegt ist die enge – meist interdisziplinäre – Zusammenarbeit auf mehrere Jahre. Eine Förderung in diesem Format gilt als Auszeichnung, die den Beteiligten Forschung auf internationalem Niveau bescheinigt.





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