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Ulm News, 08.11.2017 15:54

8. November 2017 von Ralf Grimminger
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Eine Stadt redet sich schlecht - Händler klagen über Zustände in Fußgängerzone - Polizei: Bahnhofstraße ist kein Kriminalitätsschwerpunkt


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Beschreibung: Die Rondellle in der Bahnhofstraße sind mittlerweile beliebte Treffs von nicht unproblemtatischen Gruppen.

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Leben wir in der Bronx? Man möchte es  meinen, liest man die drastischen Beschwerden von Händlern in der hoch frequentierten Bahnhofstraße. Der Handel zeichnet folgendes Bild: Kriminelle, Drogensüchtige und aggressive Ausländer beherrschen die Innenstadt. Es fehlt nur noch die Straßenprostitution in der Aufzählung. Und Stadt und Polizei würden nichts gegen diese Zustände unternehmen, klagen die Händler weiter. Glaubt man den dramatischen Klagen der Händler, dann  hat Ulm neben einem Verkehrs- nun auch ein massives Sicherheitsproblem. Und das unmittelbar vor dem Weihnachtsgeschäft. Nach diesen Schilderungen wäre es völlig nachvollziehbar, wenn Ulmer und Auswärtige glauben, dass sie überall sicherer sind als in Ulm in der Bahnhofstraße, die nämlich verkommen sei. Die Ulmer Polizei stellt dagegen klar: "Die Bahnhofstraße  ist kein Kriminalitätsschwerpunkt“. 

Warum die Händler in der Bahnhofstraße nicht versuchen, das Problem vor dem wichtigen Weihnachtsgeschäft in Ruhe und im Gespräch mit Polizei und Stadtverwaltung zu lösen, ist nicht ganz klar. Und ob sich die Händler einen Gefallen tun, wenn sie den Bereich um ihre Geschäfte sogar als total verkommen bezeichnen, ist ebenso zu bezweifeln.
Öffentlich wurden die Klagen bei einer Veranstaltung der Ulmer CDU. Hervor tat sich hier ein Sicherheitschef der Firma Sport Sohn, der offenbar – ungewöhnlich genug - mit Erlaubnis seines Auftraggebers die Situation um das Sportgeschäft herum dramatisch und hoch kriminell schilderte und dazu selbst gefilmte Videos und Fotos zeigte.
Hingewiesen wurde auf Dealer, die offen in der Straße Ersatzdrogen verkaufen, Betrunkene, die Passanten belästigen, junge, zugereiste Flüchtlinge, die sich beschimpfen und beharken, dann wieder Leute, die mit dicken, tiefer gelegten, dicken Limousinen in der Nähe der Geschäfte parken, Bettlerbanden sowie Autoknacker. Er berichtete auch von einer "Massenschlägerei", die allerdings schon gut drei Monate zurückliegt. 
Ein Thema war auch eine Zunahme und hohe Zahl an Ladendiebstählen und dass die erwischten Täter zwar von der Polizei abgeholt wurden, aber schon einige Stunden später wieder auf freiem Fuß waren und Bedienstete bedroht und beschimpft hätten.
Das ist alles nicht schön, ärgerlich und für manchen bedrohlich und es muss auch etwas dagegen unternommen werden.
Aber die Situation ist in der trotz allem immer noch sauberen und sicheren Großstadt Ulm erklärbar, weil bestimmte Personengruppen sich bislang am Hauptbahnhof getroffen, aufgehalten und dort getrunken haben. Dort ist nun wegen der Bauarbeiten kein Platz mehr für sie, weshalb sie sich am Rondell in der Bahnhofstraße treffen. Außerdem befindet sich im Wengenviertel eine der wenigen Suchtpraxen, die medikamentöse Ersatzstoffe an Drogensüchtige ausgeben darf. Und schließlich gibt es derzeit mit den Bauumzäunungen wesentlich mehr enge, dunkle und nicht einsehbare Ecken als früher. Doch dies dürfte sich spätestens mit der Fertigstellung der Sedelhöfe wieder regulieren.
Aus der Sicht der Polizei ist die Bahnhofstraße jedenfalls nach wie vor „kein Kriminalitätsschwerpunkt“, wenngleich sich die Situation verschärft habe.
Polizei und Stadt vorzuwerfen, untätig zu sein oder gar den Handel zu behindern, ist ebenso wenig förderlich wie die lauten, dramatischen Schilderungen kurz vor dem Start des wichtigen Weihnachtsgeschäfts. Nach diesen Klagen bleibt der Eindruck, dass Ulm nicht nur ein Verkehrsproblem hat, was übrigens auch nur phasenweise zutrifft, sondern jetzt auch noch ein großes Sicherheitsproblem. So redet man eine Stadt pünktlich zum Start des Weihnachtsgeschäfts schlecht.
Manche Geschäftsleute haben hierzu mit Unterstützung des Vereins Ulmer Citymarketing, der jetzt möglicherweise einen privaten Ordnungsdienst beauftragtl, ganze Arbeit geleistet.
Jetzt müssen erst wieder viele Schoko-Nikoläuse an den Parkhäusern verteilt werden, um Ulm in der Adventszeit in schönem Licht erscheinen zu lassen. Eine schöne Bescherung! Aber möglicherweise übernimmt nun die Polizei notgedrungen die Arbeit der Werbe- und Verkaufsprofis und erklärt: Ulm ist sicher!
Ralf Grimminger



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